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Das Leben lässt sich nicht besiegen

  • Autorenbild: Jeannette Holl
    Jeannette Holl
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Hallo du WUNDERvoller Mensch!

 

Sechs Wochen lang war es still hier. Nicht, weil es nichts zu schreiben gegeben hätte. Eher im Gegenteil. Ich nehme viel wahr. Beobachte, höre, sehe. Gedanken und Fragen sind daher mehr als genug da. Und doch wollten die Worte lange Zeit nicht kommen.

 

2023 habe ich bereits einmal über das Thema Druck geschrieben. Damals saß ich vor einem leeren Blatt Papier und wollte unbedingt einen Text verfassen. Je mehr ich mich dazu drängte, desto weniger gelang es. Erst als ich den Druck losließ, kehrte die Kreativität zurück.

 

Dieses Mal fühlt es sich ähnlich an. Hinzu kommt ein hartnäckiger Schmerz in meiner rechten Schulter, der mich seit einiger Zeit begleitet und auch das Schreiben erschwert.

 

Natürlich wünsche ich mir, dass er verschwindet. Gleichzeitig zwingt er mich dazu, langsamer zu werden und genauer hinzuschauen.

 

Früher wollte ich immer nur wissen, warum das gerade passiert und wie ich es möglichst rasch wieder loswerde. Heute beobachte ich etwas anderes in mir. Die Frage nach dem „Warum?“ wird leiser. Dafür wird eine andere Frage lauter: Was möchte mir das Leben gerade zeigen?

 

Ich kenne die Antwort darauf noch nicht.


In der Vergangenheit hat mich dieses Nichtwissen unruhig gemacht. Heute übe ich mich darin, nicht jede Erfahrung sofort verstehen zu müssen. Und überraschenderweise fühlt sich genau das inzwischen friedlicher an als die verzweifelte Suche nach einer sofortigen Erklärung.

 

Ich weiß nicht, ob hinter jedem Schmerz eine Botschaft steckt. Was ich jedoch beobachte: Mein Körper wird oft zum Barometer dessen, was in mir und um mich herum geschieht. Er macht mich auf Grenzen aufmerksam, die mein Verstand manchmal übersieht. Er fordert Pausen ein, wenn mein Kopf längst weitermachen möchte. Und manchmal stellt er Fragen, auf die ich noch keine Antwort habe.

 

All diese Gedanken haben mich letztlich zu dem geführt, was ich heute hier mit dir teile.

 

Immer öfter begegnen mir Menschen, die mit erstaunlicher Kraft gegen ihr Leben ankämpfen. Sie kämpfen gegen eine Veränderung, die längst begonnen hat. Gegen einen Abschied, der bereits stattgefunden hat. Gegen Gefühle, die da sind. Gegen Entscheidungen anderer Menschen. Gegen das Älterwerden. Gegen Umstände, die sich gerade nicht ändern lassen.

 

Auch ich kenne diese Momente aus meinem eigenen Leben. Und wenn du ehrlich mit dir bist, kennst du sie wahrscheinlich auch.

 

Wir alle haben Vorstellungen davon, wie das Leben sein sollte. Wir wünschen uns, dass Dinge bleiben, wenn sie schön sind. Wir wünschen uns, dass Herausforderungen schneller vorübergehen. Und manchmal wünschen wir uns Antworten, obwohl das Leben gerade Fragen stellt. Das ist zutiefst menschlich.

 

Doch warum kosten uns manche Phasen so viel Kraft? Liegt es wirklich an der Situation selbst oder liegt ein Teil unserer Erschöpfung darin, dass wir mit aller Macht versuchen, etwas festzuhalten, zu beschleunigen oder gar zu verhindern?

 

Wenn ich einen Baum betrachte, dann sehe ich kein Blatt, das sich gegen den Wind stemmt. Es bewegt sich mit ihm. Mal sanft, mal kräftig. Es folgt einer Bewegung, die größer ist als es selbst. Auch Wasser kennt diesen Kampf nicht. Es fließt. Trifft es auf ein Hindernis, sucht es einen anderen Weg. Es sammelt sich, wartet, bewegt sich weiter. Seine Kraft entsteht durch seine Fähigkeit, dem Leben zu folgen.

 

Wir Menschen haben die besondere Gabe, über uns selbst nachzudenken. Das ist ein Geschenk. Gleichzeitig verleitet es uns manchmal dazu, mit der Realität zu ringen. Wir diskutieren mit dem, was bereits ist, verhandeln mit der Vergangenheit und erklären dem Leben, warum es gerade anders sein sollte.

 

Doch das Leben hört nicht auf unsere Forderungen. Es folgt seinen eigenen Rhythmen. Manches wächst langsam. Manches vergeht. Und manches erscheint zunächst wie ein Umweg und entpuppt sich später als notwendiger Teil des Weges.

 

Rückblickend erkenne ich in meinem eigenen Leben immer wieder Situationen, die ich mir niemals ausgesucht hätte. Damals fühlten sie sich falsch an. Heute sehe ich, dass sie mich etwas gelehrt haben, das auf keinem anderen Weg möglich gewesen wäre.

 

Das bedeutet nicht, alles gut finden zu müssen. Es bedeutet auch nicht, Schmerz schönzureden oder schwierige Erfahrungen willkommen zu heißen. Doch zwischen Ablehnung und Zustimmung liegt eine Einladung. Die Einladung, anzuerkennen, was gerade da ist.

 

Genau dort beginnt für mich Selbstführung.

 

Denn solange ich meine Energie darauf ver(sch)wende, gegen die Realität anzukämpfen, steht mir diese Energie für Kreativität oder Heilung, Klarheit oder den nächsten Schritt nicht zur Verfügung.

 

Akzeptanz wird dabei oft missverstanden. Viele Menschen glauben, sie würde Passivität bedeuten.

Für mich ist sie etwas völlig anderes. Akzeptanz bedeutet, die Wirklichkeit zu sehen, wie sie gerade ist. Erst dann kann ich bewusst entscheiden, wie ich mit ihr umgehen möchte.

 

Ein Segler kann den Wind nicht bestimmen. Er kann jedoch lernen, die Segel zu setzen.

 

Darin erkenne ich eine wesentliche Aufgabe unseres Menschseins. Dem Leben aufmerksam zuzuhören. Zu erkennen, wann Handeln gefragt ist und wann Vertrauen. Zu spüren, wann Beharrlichkeit hilfreich ist und wann Loslassen der stimmigere Weg sein könnte.

 

Das Leben wird immer größer sein als unsere Pläne, größer als unsere Erwartungen und ja, sogar größer als unser Wunsch, alles kontrollieren zu können. Darin liegt für mich keine Bedrohung. Darin liegt Demut und Vertrauen und die Möglichkeit, mit dem Leben zu arbeiten, statt seine Kraft gegen es zu richten.

 

Je älter ich werde, desto mehr wächst in mir die Erkenntnis, dass das Leben kein Problem ist, das gelöst werden muss. Es ist eine Erfahrung, die gelebt werden will. Nicht alles erschließt sich sofort. Nicht jede Frage verlangt nach einer schnellen Antwort. Manches offenbart seinen Sinn erst rückblickend und manches vielleicht auch nie.

 

Und so entdecke ich immer öfter Frieden in dem Gedanken, dass das Leben mehr sieht als ich. Dass es Zusammenhänge gibt, die sich meinem Verstand (noch) entziehen und dass selbst Umwege ihren Platz haben könnten.

 

Ich muss das Leben nicht besiegen. Und du auch nicht.

 

Und vielleicht bleibt am Ende nur eine einzige Frage:

Was, wenn das Leben recht hat?

 

In diesem Sinn wünsche ich dir den Mut, dem Leben vor allem wieder dort zu vertrauen, wo du es gerade noch nicht verstehst. 


Und wenn du magst, dann lass mich gern an deinen Gedanken teilhaben: kontakt@jeannetteholl.de. Ich freue mich von dir zu lesen.

 

Herzliche Grüße und bis bald ...

 

Jeannette




 
 
 

2 Kommentare


Brigitte
vor 2 Tagen

Liebe Jeanette, ich fühle mich von deinem Artikel soso sehr angesprochen. Du kleidest das in Worte was auch ich gerade erlebe. Danke dir für deine "Erklärung" ;o) Ich habe gerade auch ein paar Herausforderungen zu meistern. Und schau immer in ungläubige Augen bei meinem Gegenüber wenn ich sage: "Es ist wie es ist. Ich schaue was noch dazu kommt und was es mir sagen möchte." Du hast diesen Prozess so wunderbar in Worte gefasst. Ich erkenne mich wieder. Von Herzen DANKE 🙏 Lieben Gruß von Gitte

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Jeannette Holl
vor 2 Tagen
Antwort an

Liebe Gitte, wie schön zu lesen, dass du dich in dem Artikel wiederfindest. Oft glauben wir, wir seien mit unseren Fragen und Erfahrungen allein, bis wir plötzlich merken, dass andere ganz Ähnliches erleben. Danke für dein Vertrauen, deine Gedanken und dafür, dass du mich und die anderen Leser an diesem Teil deiner Geschichte teilhaben lässt. 🙏😊🙏 Ich wünsche dir für deinen Weg weiterhin Vertrauen, Gelassenheit und die Bereitschaft, dich vom Leben überraschen zu lassen. Herzliche Grüße 💫💚💫 Jeannette

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