Die Lüge, die wir Wahrheit nennen
- Jeannette Holl

- 3. Mai
- 4 Min. Lesezeit

Ein herzliches Hallo zu dir. Schön, dass du dir einen Moment nimmst, innezuhalten.
Heute habe ich dir ein Thema mitgebracht, welches einen kleinen Zwergenaufstand in dir auslösen könnte. Ein Thema welches Trigger- als auch Wachstumspotenzial zugleich beinhaltet. Sei beim Lesen daher bitte achtsam und gut mit dir – und auch mit mir ;-).
Und wenn du magst, dann gönne dir eine entspannte Leseathmosphäre und hole dir gern noch dein Lieblingsgetränk.
In den letzten Wochen begegne ich immer wieder Menschen, die etwas gemeinsam haben: Sie fühlen sich ausgeliefert – den Umständen, anderen Menschen, dem System.
Oft höre ich Sätze wie: „Ich kann nichts dafür.“ „Mein Chef ist schuld.“ „Die Politik macht alles kaputt.“ „Mein Partner versteht mich einfach nicht.“ etc.
Vielleicht kennst du solche Gedanken oder hast sie selbst schon einmal gedacht. Das ist menschlich. Und ja, ich kenne diese Momente auch.
Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, Zusammenhänge herzustellen und Ursachen zu finden. Es sucht Sicherheit, indem es erklärt, warum etwas so ist, wie es ist. In der Psychologie spricht man hier vom sogenannten externen Kontrollfokus – die Tendenz, Ursachen im Außen zu verorten, um sich selbst zu entlasten.
Kurzfristig kann das sogar erst einmal beruhigend wirken. Es reduziert den Druck und schützt dich vor Überforderung. Doch langfristig hat diese Haltung einen leisen, oft unbemerkten Preis:
Du gibst deine Gestaltungskraft ab.
Denn wenn im Außen alles „schuld“ ist, bleibt für dich nur die Rolle des Reagierenden übrig. Du wartest darauf, dass sich etwas verändert, dass jemand anders sich anders verhält oder dass die Umstände besser werden. Und währenddessen stehst du innerlich still.
Ich sage das nicht, um dir Schuld zuzuweisen. Ganz im Gegenteil. Ich sage es, um dich zu erinnern.
Denn du bist nicht machtlos. Du bist Schöpfer und Gestalter deines Lebens. Und gleichzeitig liegt vieles im Außen nicht in deiner Hand.
Das Leben ist größer als du. Es gibt Ereignisse, die du dir nicht ausgesucht hast, Begegnungen, die herausfordernd sind, und Systeme, die ihre eigene Dynamik haben.
Doch zwischen dem, was geschieht, und dem, was du daraus machst, liegt ein Raum. Und genau in diesem Raum beginnt deine Freiheit.
Die moderne Hirnforschung zeigt, dass unser Erleben kein neutrales Abbild der Realität ist. Dein Gehirn filtert, bewertet und interpretiert permanent. Es gleicht das, was du wahrnimmst, mit deinen bisherigen Erfahrungen ab, mit deinen Überzeugungen, mit dem, was du für möglich oder unmöglich hältst.
Du siehst die Welt nicht, wie sie ist. Du siehst sie durch die Linse deiner inneren Prägung.
Das bedeutet: Zwei Menschen können in derselben Situation sein und sie doch völlig unterschiedlich erleben. Der eine fühlt sich angegriffen, der andere bleibt ruhig. Der eine sieht eine Bedrohung, der andere eine Chance. Nicht, weil die Welt unterschiedlich ist, sondern weil ihr inneres Erleben unterschiedlich ist.
Und genau hier liegt ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird:
Du erschaffst nicht jede Situation, aber du erschaffst dein Erleben dieser Situation.
Das Außen wirkt auf dich – ja. Doch wie es in dir weitergeht, entsteht in dir.
Vielleicht kennst du Momente, in denen dich etwas sofort triggert. Ein Satz, ein Blick, eine Situation. Es passiert blitzschnell. Noch bevor du bewusst darüber nachdenkst, ist da ein Gefühl: Ärger, Ohnmacht oder Rückzug.
Neurobiologisch betrachtet läuft hier ein automatisches Programm ab. Alte Erfahrungen, gespeicherte Emotionen und gelernte Bewertungen werden aktiviert. Dein System reagiert, als wäre die Vergangenheit noch Gegenwart.
Und genau deshalb fühlt es sich so real an, so wahr und so unumstößlich.
Doch es ist nicht die Situation allein. Es ist die Verbindung zwischen Situation und deinem inneren Muster. Und das ist eine gute Nachricht, auch wenn sie sich im ersten Moment vielleicht nicht so anfühlt.
Denn was in dir entsteht, kann sich auch in dir verändern.
Das bedeutet nicht, dass du alles schönreden sollst. Es geht nicht darum, Ungerechtigkeit zu ignorieren oder schwierige Umstände zu akzeptieren, die dir nicht guttun. Es geht auch nicht darum, Verantwortung anderer zu negieren.
Es geht um etwas anderes: um deine innere Haltung.
Solange du glaubst, dass dein Erleben ausschließlich von außen bestimmt wird, bleibst du abhängig – von Menschen, Situationen und Bedingungen.
In dem Moment jedoch, in dem du beginnst zu erkennen: „Mein Erleben entsteht in mir“, verschiebt sich etwas leise, aber kraftvoll und du wirst wieder handlungsfähig.
Vielleicht stellst du dir dann andere Fragen. Nicht mehr:
Warum passiert mir das? Sondern: Was macht das gerade mit mir?
Was in mir reagiert hier eigentlich?
Und wie möchte ich damit umgehen?
Das ist kein schneller Weg und auch kein bequemer. Es braucht Ehrlichkeit, Mut und die Bereitschaft, dir selbst zu begegnen, vor allem dort, wo es unangenehm ist. Und doch lohnt es sich, diesen Weg zu gehen. Mehr, als du vielleicht gerade glauben kannst.
Denn genau hier beginnt Veränderung und hier liegt dein Wachstum – nicht im Kämpfen gegen das Außen, sondern im Verstehen deines Inneren. So erwachsen Ruhe und Gelassenheit aus dir heraus.
Wenn du magst, dann halte für einen Moment inne und frage dich selbst:
Wo in meinem Leben gebe ich die Verantwortung ab?
Wo erzähle ich mir Geschichten, in denen ich keinen Einfluss habe?
Und was würde sich verändern, wenn ich mir einen kleinen Teil dieser Verantwortung zurückhole?
Es geht nicht um hundert Prozent. Es geht um den ersten Schritt. Um einen bewussten Moment.
Das Leben passiert nicht einfach nur mit dir. Es antwortet dir auf deine Haltung, deine Gedanken, deine Entscheidungen. Und du bist Teil dieser Antwort. Nicht aus Schuld heraus, sondern als Gestalter deines Erlebens.
Wenn du spürst, dass dich das berührt oder vielleicht auch herausfordert, dann ist das kein Zufall. Oft ist es ein Zeichen, dass sich in dir etwas öffnen will.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen genau an diesem Punkt – dort, wo das Außen laut ist und das Innen noch wenig Raum hat. Wir schauen gemeinsam auf das, was dich bewegt und vielleicht schon lange gesehen werden will. Nicht, um dich zu analysieren oder zu „optimieren“, sondern um dich zurück in deine eigene Klarheit und Kraft zu führen.
Ein besonders wirkungsvoller Zugang kann dabei die Hypnose sein. In einem Zustand tiefer Entspannung und gleichzeitig klarer innerer Wachheit wird dein kritischer Verstand leiser und du bekommst Zugang zu den Ebenen in dir, auf denen viele deiner automatischen Reaktionen entstehen. Dort, wo Worte oft nicht mehr greifen, können sich so neue Verbindungen bilden – ganz ohne Druck und in deinem Tempo.
Wenn es dich ruft, dann schreibe mir: kontakt@jeannetteholl.de . Ich begleite dich gern ein Stück auf deinem Weg.
Und vielleicht beginnt genau hier dein nächster ehrlicher Schritt zurück zu dir. Das wünsche ich dir.
Herzliche Grüße
Jeannette

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