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Krieg beginnt im Denken

  • Autorenbild: Jeannette Holl
    Jeannette Holl
  • vor 1 Stunde
  • 4 Min. Lesezeit

Ein herzliches Hallo zu dir! Schön, dass du da bist.

 

Heute ist Internationaler Frauentag. Ein Tag, der uns daran erinnert, wie wichtig Würde, Respekt und Menschlichkeit im Zusammenleben sind. Genau aus diesem Grund ist heute für mich ein guter Moment, um an etwas zu erinnern, das wir im Alltag oft vergessen.

 

Ich spüre immer deutlicher, wie schnell sich Gedanken aufladen. Wie rasch Worte schärfer werden. Und wie leicht wir uns hineinziehen lassen in Dynamiken, die größer sind als wir selbst.

 

Gerade in Zeiten, in denen die Welt laut wird und Konflikte eskalieren, lohnt sich der Blick auf einfache Fragen. Fragen, die nicht polarisieren, sondern klären. Fragen, die nicht anklagen, sondern zur Selbstprüfung einladen.

 

Deshalb habe ich dir heute eine Geschichte mitgebracht. Eine überlieferte Weisheit über Wahrheit, Güte und Notwendigkeit, die dem Philosophen Sokrates zugeschrieben wird.

 

Bist du bereit? Dann wünsche ich dir beim Lesen ein offenes Herz und einen Moment der Güte.

 

„Die drei Siebe des Sokrates“

 

Eines Tages kam ein Schüler voller Aufregung zu Sokrates und sagte: "Sokrates, höre, ich muss dir etwas Wichtiges über deinen Freund erzählen! Hast du gehört, was er getan hat?“

 

"Warte ein wenig", unterbrach ihn der Weise, "hast du das, was du mir erzählen willst, schon durch die drei Siebe gesiebt?"

 

"Drei Siebe?", fragte der Schüler voller Verwunderung.


"Ja, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"

"Nein, ich habe es von anderen gehört", erwiderte der Schüler.

 

"So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist –, so doch wenigstens gut?"

 

Zögernd sagte der Schüler: "Nein, das nicht, im Gegenteil ..."


"Aha!" unterbrach ihn Sokrates. "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?"

"Notwendig nun gerade nicht ..."

 

"Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!"

 

Ob diese Szene historisch exakt so stattgefunden hat, ist ungewiss. Doch ihre Kraft ist zeitlos. Drei einfache Fragen. Drei schlichte Siebe. Und doch bergen sie eine Radikalität, die bis heute nichts an Aktualität verloren hat.

 

Warum erzähle ich dir diese Geschichte ausgerechnet jetzt?

 

Weil wir in diesen Tagen auf ein Weltgeschehen blicken, das emotional auflädt. Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten bewegt viele Menschen. Schlagzeilen überschlagen sich. Analysen prallen aufeinander und Meinungen formieren sich in Sekundenschnelle.

 

Und mit jeder neuen Information steigt die innere Spannung.

 

Ich beobachte, wie schnell sich Positionen verhärten. Wie rasch aus Unsicherheit Überzeugung wird und wie leicht sich Empörung multipliziert. Nicht nur draußen, sondern auch in uns.

 

Im Kern geht es mir hier nicht um Moral, sondern um Selbstführung.

 

Die drei Siebe sind kein politisches Instrument, sondern ein Bewusstseinsfilter. Sie erinnern uns daran, dass wir nicht nur Konsumenten von Informationen sind, sondern auch Produzenten von Wirkung. Sie helfen, die automatische Reaktionskette zu unterbrechen und Spannung zu halten, statt sie ungefiltert weiterzugeben. Denn egal, was wir sagen, teilen oder kommentieren – es wirkt. Immer.

 

Und wenn wir ehrlich mit uns sind, dann gehören die drei Fragen nicht nur in Krisenzeiten auf den Tisch. Für mich sind sie eine Lebenshaltung für den Alltag. Eine Haltung, die in jeder Diskussion, in jeder hitzigen E-Mail und sogar im inneren Selbstgespräch wirkt.

 

Vielleicht können wir die großen geopolitischen Entscheidungen nicht beeinflussen. Aber wir können beeinflussen, wie wir sprechen, wie wir denken und wie wir reagieren.

 

Krieg beginnt nicht erst mit Waffen. Er beginnt früher. In Gedanken, die sich verhärten. In Narrativen, die nur noch Schwarz und Weiß kennen. In dem inneren Satz: „Ich habe Recht und du bist falsch.“

 

Genau dort entsteht Trennung. Und Trennung ist der Nährboden jeder Eskalation.

 

Bevor du heute eine Meinung äußerst oder teilst, nutze die drei Siebe. Halte einen Moment inne und frage dich:

 

  • Weiß ich es wirklich, oder bestätigt es nur meine Emotion?

  • Trägt das, was ich sage oder poste, zu mehr Klarheit und Menschlichkeit bei oder gießt es Öl ins Feuer?

  • Muss ich das jetzt sagen? Dient mein Beitrag dem Verstehen oder nur meinem Bedürfnis, Dampf abzulassen oder Recht zu behalten?

 

In einer Zeit kollektiver Eskalation sind diese drei Fragen radikal schlicht und vielleicht gerade deshalb so kraftvoll. Denn Frieden beginnt nicht auf diplomatischen Bühnen. Er beginnt in deinem nächsten Gedanken, deinem nächsten Satz, deiner nächsten Entscheidung.

 

Und so wünsche ich dir Bewusstsein und die Kraft, Spannung zu halten.

 

Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, bin ich gern für dich da: kontakt@jeannetteholl.de.

 

Genieße noch einen friedlichen Tag.

 

Herzliche Grüße

 

Jeannette




 
 
 

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