Wasch mich, aber mach mich nicht nass
- JH

- 23. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Hallo du WUNDERvolle Seele!
Ich bin sehr überwältigt. Auf meine abgeschlossene Hypnoseausbildung habe ich viel positive Resonanz erfahren. Viele Menschen haben mit mir gefühlt, gefragt, gratuliert und sich berühren lassen. Das hat mich sehr gefreut. Von Herzen DANKE dafür!
Und gleichzeitig schwang in manchen Reaktionen etwas mit, das mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert hat. Etwas, das ich nicht nur im Zusammenhang mit Hypnose, sondern in vielen Lebensbereichen beobachte.
Vielleicht kommt dir dieser Satz vertraut vor:
„Wunderbar, dann kannst du mir das ja wegmachen.“
Der Satz klingt harmlos, fast freundlich, und doch beschreibt er die Grundhaltung unserer Zeit:
Wir wollen Veränderung, aber bitte ohne Veränderung.
Wir wollen Erlösung, aber ohne Beteiligung.
Wir wollen Heilung, aber ohne uns selbst zu begegnen.
Es ist der alte Wunsch nach: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“
Doch Hypnose ist kein „Wegmach“-Werkzeug! Kein magischer Radiergummi. Kein „Augen zu und alles wird gelöscht“. So funktioniert der menschliche Geist nicht.
Hypnose, wie viele andere Methoden auch, ist eine Einladung. Ein Zugang. Ein Türöffner zu deiner Tiefe. Diese Wege machen nichts weg. Sie machen sichtbar.
Und Sichtbarkeit ist immer der Wendepunkt: Nämlich das Ende des Wegdrückens und der Anfang der Veränderung.
Wenn du solche Gedanken kennst, bist du in bester Gesellschaft. Der Wunsch nach „Wegmachen“ ist kein Charakterproblem. Er ist ein Schutzmechanismus deines Nervensystems.
Dein Gehirn ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen, Schmerz zu vermeiden und alles Unbekannte als potenzielle Gefahr einzustufen. Unangenehme Gefühle oder innere Spannungen interpretiert es als Gefahr.
Deshalb denkt ein Teil in dir: Weg damit. Schnell. Bitte ohne, dass ich irgendetwas fühlen muss.
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist Biologie. Aber genau diese Biologie bringt uns nicht zu Lösungen, sondern in Schleifen.
Daher leben wir mittlerweile regelrecht in einer Kultur des Wegmachens.
Schau genau hin:
Wir gehen zum Arzt mit der Haltung: Mach mir den Schmerz weg.
Wir buchen Coachings mit der Erwartung: Mach die Blockade weg.
Wir gehen zum Schönheitschirurgen mit der Auffassung: Mach mir die Falten weg.
In Beziehungen wollen wir Konflikte weghaben, in der Schein-Spiritualität die Schatten ausradieren und im Business die Unsicherheit eliminieren.
Die Aufzählung ließe sich unendlich fortsetzen. Im Grunde wollen wir heute nahezu jedes Problem wegmachen, ohne es wirklich zu lösen.
Man kann sagen: Wir sind regelrechte Meister im Wegmachen und fast süchtig danach. Denn wir haben von klein auf gelernt, dass Erleichterung oft wichtiger ist als Ehrlichkeit.
Ich nehme mich davon nicht aus. Auch in einem Leben gab und gibt es, mittlerweile immer weniger, Situationen, die ich wegmachen wollte.
Doch alles, was wir wegmachen wollen, kommt irgendwann lauter zurück. Weil es nämlich nicht weg ist, sondern nur ungehört.
Echte Veränderung beginnt nie im Vermeiden. Sie beginnt immer im Erkennen, im Fühlen, im Aushalten und im Annehmen.
Vielleicht ist Loslassen deshalb für viele Menschen so schwer. Weil wir nicht loslassen können, was wir vorher nicht wirklich angenommen haben. Ein Thema, das ich an anderer Stelle sicher einmal vertiefen werde. Für heute bleiben wir beim Wegmachen. Weiter geht’s. ;-)
Du kannst nur transformieren, was du bereit bist, wahrzunehmen.
Du kannst nur heilen, was du bereit bist zu fühlen.
Du kannst nur befreien, was du nicht länger wegdrückst.
Denn Transformation ist kein Eingriff, der an dir passiert, sondern eine Bewegung, die in dir entsteht.
Deshalb möchte ich dich mit meinen heutigen Zeilen an etwas erinnern:
Niemand kann dir dein Leben abnehmen.
Niemand kann deine Vergangenheit für dich fühlen.
Niemand kann deine Muster für dich erlösen.
Aber es gibt Menschen, die dich darin begleiten können. Die mit dir gemeinsam den Raum halten, die dir Mut zusprechen, die dich im Hinsehen unterstützen und dir helfen, in der Annahme zu bleiben.
Eine davon bin ich.
Ich kann dir Halt geben, dich spiegeln und einen sicheren Boden bereiten, auf dem du dir selbst begegnen kannst. Aber gehen musst du selbst.
Und genau darin liegt deine Würde. Deine Kraft. Deine Freiheit. Und auch meine.
Ich wünsche dir von Herzen den Mut, ab heute beim Waschen nass zu werden. Denn nur das, was du bereit bist wirklich zu fühlen, kannst du transformieren.
Mögen dich meine Worte dort erreichen, wo sie etwas in dir berührend bewegen.
Pass gut auf dich auf und genieße noch einen „alles darf sein“-Tag!
Herzliche Grüße und bis bald ...
Jeannette

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